

Für den Erhalt siebenbürgisch-sächsischer Kultur
Aktivitäten und Projekte
Das Interesse an der Kulturlandschaft
Siebenbürgen wächst nicht nur in Europa und
nicht nur für den Tourismus. Es gilt mithin
auch den herausragenden Baudenkmälern in
den ehemals von Deutschen besiedelten
Gebieten, vor allem ihren Kirchenburgen.
Einige von ihnen wurden in die UNESCO-
Liste des Weltkulturerbes aufgenommen,
andere warten dringend auf eine Restaurierung
oder zumindest Sanierung. Kein
Zweifel daran, dass diese Sachlage für den im
Fachbereich tätigen Architekten Ansporn und
Verantwortung zugleich bedeutet.
Uns, denen die Erhaltung der wichtigsten
sächsischen Kirchenburgen am Herzen liegt,
war es eine Ehre, im April 2000 auf
Einladung Seiner Königlichen Hoheit Prinz
Charles an einer Tagung in London teilzunehmen,
die diesem Thema gewidmet war. Zur
Delegation unter der Leitung des damaligen
rumänischen Kulturministers, Ion Caramitru,
gehörten der Bischof der Evangelischen
Kirche A.B. in Rumänien, D. Dr. Christoph
Klein, Hans-Christian Habermann als
Vorsitzender und der gesamte Stiftungsrat
sowie der Vorstand der Siebenbürgisch-
Sächsischen Stiftung, zahlreiche Fachleute
aus Rumänien und aus Deutschland, jedoch
mit bemerkenswerter Wortmeldung auch
Karoline Fernolend, Gemeinderätin aus
Deutsch-Weißkirch.
Dort wurde über unsere Baudenkmäler in
Siebenbürgen und ihre Erhaltung diskutiert,
auch am Rande eines von mir gehaltenen
Referates. Prinz Charles persönlich hat als
Schirmherr der Veranstaltung sein Engagement
für Siebenbürgen bekräftigt. Er hat seither
dieser Region wiederholt private Besuche
abgestattet und hat willkommene Förderprojekte
eingeleitet, die z.B. Schäßburg ,
Birthälm und Deutsch-Weißkirch betreffen.
Es ist gewiss erfreulich festzuhalten, dass
neben den berühmten orthodoxen Klöstern
der Bukowina, dem Donaudelta und der
gesamten Schäßburger "Burg", auch die
Kirchenburgen in Tartlau, Birthälm, Wurmloch
und Deutsch-Weißkirch sowie die
Gräfenburg Kelling im Rang des Weltkulturerbes
besonderen Schutz genießen.
Freilich können nicht alle etwa 140 siebenbürgischen
Kirchenburgen in gleicher Weise
restauriert werden und in gutem Zustand
erhalten bleiben, wurden sie doch von ihren
evangelischen Gläubigen, die ausgewandert
sind, überwiegend verlassen. Eine Auswahl
zu treffen, das war und ist schwer. Es haben
sich jedoch verschiedene Stiftungen und private
Geldgeber im Ausland bereit gefunden,
kräftig mitzuhelfen. So auch die
Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung mit Sitz
in München. Seit 1992 ist sie in engem
Zusammenwirken mit den zuständigen rumänischen
Behörden und mit dem
Landeskonsistorium der Evangelischen
Kirche an der Restaurierung und
Instandhaltung einiger dieser Baudenkmäler
maßgeblich beteiligt.
Über Vorgeschichte und Einzelheiten der
Arbeit an drei wichtigen Objekten - Tartlau,
Honigberg, Birthälm - sei nun, anlässlich des
25jährigen Bestehens der Stiftung, im
Folgenden berichtet.
Tartlau
Die Bedeutung der Tartlauer Kirchenburg für
die siebenbürgisch-sächsische Bau- und
Kunstgeschichte ist einerseits durch die frühgotische
Kirche gegeben - ein Zentralbau, der
während der Präsenz des Deutschen Ritterordens
im Burzenland 1211-1225 begonnen
wurde und erste Merkmale der Frühgotik im
siebenbürgischen Raum aufweist. Andererseits
sind die Befestigungsanlagen - ein massiver ovaler Bering mit Mauerstärken bis 4,5
Meter mit stark befestigter Torwehre, Vorburg
und Zwinger - einmalig unter den Wehranlagen
der siebenbürgisch-sächsischen
Kirchenburgen.
In den Jahren 1962-1970 wurden von der
Direktion für Denkmalpflege Bukarest unter
der Leitung der Architektin Mariana
Angelescu umfangreiche Restaurierungsarbeiten
durchgeführt. Man folgte dabei
einem analytischen Konzept, bei dem versucht
wurde, die einzelnen Bauetappen und
baugeschichtlichen Funde während der
Arbeiten im Endzustand möglichst klar zum
Ausdruck zu bringen. So können heute
Umbauten und Veränderungen, bedingt durch
mehrere Zerstörungen gut abgelesen werden.
Zu den wichtigsten Arbeiten dieser Restaurierung
gehörten das Abtragen des Vierungsturms
und sein Wiederaufbau nach Konsolidierung
der Gewölbe, Erneuerung der hölzernen
Wehrgänge und Zugänge zu den Vorratskammern,
das Neueindecken der Dächer,
das Abgraben von Schuttschichten, im
Inneren des Burghofs Reparaturen an Dachstühlen
und Mauern. Aus heutiger Sicht war
das Abtragen des Glockentürmchens aus dem
17. Jahrhundert über dem Eingang zur Vorburg
denkmalpflegerisch nicht gerechtfertigt.
Bei der vor über dreißig Jahren erfolgten
Restaurierung hat man unter der Lattung, auf
der die Biberschwanzziegel liegen, einen
Blindboden und eine Schicht Dachpappe
angebracht. Diese Lösung verhinderte die
Lüftung der Ziegel, so dass bei der relativ flachen
Dachneigung im Inneren des Berings die
Ziegel feucht blieben und durch Gefrieren
und Auftauen im Lauf der Zeit zerstört wurden. Da die Ziegel nicht von innen ausgewechselt
werden konnten, war die Dachhaut
bei Beginn der aus Mitteln der Siebenbürgisch-
Sächsischen Stiftung durchgeführten
Arbeiten in sehr schlechtem Zustand.
Die Stiftung hat im März 1992 in feierlichem
Rahmen die Patenschaft für die Kirchenburg
Tartlau übernommen. Es wurde die ursprüngliche
Deckart wieder hergestellt und es wurden
Dachrinnen und Abfallrohre angebracht,
so dass das Regenwasser entsprechend abgeleitet
werden konnte. An der Kirche wurden
die Dachrinnen so angebracht, dass das
Gesimse, bestehend aus Knospenblättern,
nicht verdeckt wird. 1994 wurde der Laubengang,
der zur Vorburg führt, restauriert,
1995 wurden die Arbeiten im Vorhof abgeschlossen und die Burghüterwohnung im
Südwesten der Vorburg so hergestellt, dass sie
als Wohnung genutzt werden kann. 1995 sind
auch die Dächer über den Vorratskammern
erneuert worden. 1996 wurden die Dächer im
Bäckerhof erneuert.
Im Burghof wird durch gepflasterte Rinnsale
und Kanalrohre für oben erwähnte schnelle
Ableitung des Regenwassers gesorgt. Die
Burg wurde außerdem mit einer modernen
Brandschutzanlage und sanitären Einrichtungen
ausgestattet. Der schadhafte Verputz
wurde besonders an Stellen, wo Zement verwendet
worden war, durch Kalkmörtel
ersetzt. Die Wände im Vorhof aber auch im
Außenbereich der Kirchenburg wurden mit
Kalk getüncht und die Holzteile mit
Holzschutzmitteln behandelt. Außerdem sind
Reparaturen an der Pflasterung vorgenommen
worden. In letzter Zeit wurden Instandhaltungsarbeiten
durchgeführt. Außerdem
wurde das Kirchenburgmuseum erweitert,
indem zehn ehemalige Vorratskammern
sowie die "Alte Schule" mit verschiedenen
Exponaten ausgestattet wurden. Es gibt einen
Entwurf für die Umgestaltung der Westseite
des Bäckerhofs in Gästezimmer.
Honigberg
Während der Restaurierungsarbeiten
von 1975-
1978 wurde die Aufschüttung
im Hof abgegraben
und die Kirche
teilweise freigelegt. Damals
wurde östlich der
Kirche eine Glocke gefunden,
die man dort vergraben
hatte, und es
konnten die Steinprofile
der Westfassade freigelegt
werden.
Bei den Erdbeben 1977
und 1986 hatte der
Glockenturm gelitten. Es
gab zahlreiche Risse in
den Mauern des Turmes.
1999 wurde ein Projekt
zur Konsolidierung des
Glockenturms ausgearbeitet.
Es sah vor, auf vier
Ebenen Betongürtel mit
steifer Armierung - entsprechend
den Gesimsen
- einzubauen und diese
Gürtel im Inneren des
Turmes zu verankern.
Die Arbeiten wurden
2000-2001 durchgeführt.
Gleichzeitig wurden
auch Konsolidierungsarbeiten am Ostturm,
dem Turm mit den gotischen Wandmalereien
aus Mitteln der Direktion für Denkmalpflege
begonnen, jedoch aus Geldmangel nicht fertig
gestellt.
Die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung wird
im kommenden Jahr mit der Restaurierung der
Hausteine an der Westfassade beginnen. Hier
ist besonders der nordwestliche Strebepfeiler
durch Verwitterung der Steine im Sockelbereich
gefährdet. Die Arbeiten an Wehrgängen
und Ringmauer werden auch im kommenden
Jahr fortgesetzt.
Birthälm
Die Kirchenburg in Birthälm, eines der repräsentativsten
Baudenkmäler dieses Gebäudetyps,
gehört heute zum Weltkulturerbe der
UNESCO. Nach dem Erdbeben von 1977, das
zum Loslösen von Gewölberippen geführt
hatte, kam man zu dem Schluss, dass Restaurierungs-
und Instandhaltungsarbeiten an diesem
Baudenkmal unumgänglich sind. 1979
konnte mit der Umsetzung eines entsprechenden
Projekts begonnen werden.
Die Arbeiten an der Kirche betrafen
Konsolidierung des Chorgewölbes durch teilweises
Abtragen und frisches Wölben, Befestigung
aller Ziegelrippen am spätgotischen
Gewölbe, Erneuerung der Fenster mit Butzenscheiben,
Freilegung der ursprünglichen
Wandmalerei, die zu einem neuen Konzept der
Polychromie des Innenraums führte. Außer
geometrischer Dekoration kamen auch interes-
sante Inschriften aus der Zeit der Erbauung der
Kirche (1500-1522) zum Vorschein. Es wurden
Reparaturen an der Dachhaut und am
Dachstuhl des Chors durchgeführt. Auch die
Außentünche der Kirche wurde erneuert.
Anschließend an die Arbeiten an der Kirche
wurde die innere Ringmauer mit Katholischem
Turm, Torturm und Mausoleumsturm restauriert.
Es folgten Arbeiten an den äußeren Ringmauern
und an den Mauern des Zwingers.
Eine der letzten Arbeiten betraf den äußeren
Torturm.
Nach der Wende von 1989 wurde ein Gebäude,
in dem der Kindergarten untergebracht war, in
ein Gästehaus mit Zwei- bis Vierbettzimmern
mit Nasszellen und Jugendschlafräumen
umgebaut.
1991 wurde die Restaurierung des Ensembles
mit einem Europa-Nostra-Preis ausgezeichnet
und 1993 wurde die Kirchenburg Birthälm
samt der Ortschaft in die UNESCO-Liste des
Weltkulturerbes aufgenommen.
Bei der Restaurierung 1979-1991 standen nur
bescheidene Mittel zur Verfügung, die größtenteils
von der Gemeinde aufgebracht wurden,
so dass der steinerne Sockel der Kirche
nicht erneuert werden konnte; er war vorher
größtenteils durch ein Betonprofil ersetzt
worden.
Die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung
beabsichtigt, zusammen mit dem World
Monuments Fund (WMF) 2004 diesen
Sockelbereich der Kirche zu restaurieren, das
heißt, Zementprofile und Verputz zu entfernen
und durch ein Natursteinprofil zu ersetzen,
wobei die anschließenden Flächen mit
Kalkmörtel verputzt werden. Das genehmigte
Projekt sieht auch vor, die Entwässerung des
Kirchhofs durch Katzenkopfpflaster zu verbessern.
Weiterhin sind Restaurierungsarbeiten
an den Wandgemälden des Katholischen
Turms vorgesehen, sowie Reparaturen
an Dach und Treppenhaus dieses Turmes.
Im Winter 2003/04 wird an der Bearbeitung
des etwa 200 Meter langen Sockelsteinprofils
gearbeitet. Der wetterfeste Naturstein kommt
aus Sânzieni/Szentlélek, einer Ortschaft
neben Târgu Secuiesc/Szeklermarkt im Kreis
Hargita. Die Steinmetzarbeiten werden von
der Bauhütte des römisch-katholischen Erzbistums
in Karlsburg/Alba Iulia durchgeführt.
Es ist zu hoffen, dass die Stiftung nach erfolgreichem
Abschluss des Gemeinschaftsprojektes
mit dem WMF auch weiterhin ihre
Fördermittel in diesem für die Erhaltung der
Kulturlandschaft Siebenbürgen so wichtigen
Bereich einbringt, z.B. durch die Übernahme
einer Patenschaft für die Kirchenburg in
Reußmarkt, wofür den Entscheidungsträgern
jetzt schon gedankt sei.
Architekt Dr. Hermann Fabini
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