

Für den Erhalt siebenbürgisch-sächsischer Kultur
Die Stiftung
Ein Werk der Selbstlosigkeit und Nächstenliebe
Unter das biblische Motto des 1832 in
Deutschland gegründeten Gustav Adolf-Werkes "Lasst uns Gutes tun an jedermann,
allermeist aber an des Glaubens Genossen"
(Galater-Brief, Kap. 6, Vers 10) lässt sich
auch das Lebenswerk von Ernst Habermann
und die ganze Tätigkeit der von ihm im Jahre
1979 gegründeten "Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung" stellen. Ging es in dem
kirchlich ausgerichteten Verein vornehmlich
um die Unterstützung der Christen und ihrer
Gemeinden in der Diaspora, so ging es in der
"Habermann-Stiftung", wie sie gemeinhin
genannt wird, um die Unterstützung jener siebenbürgisch-sächsischen Institutionen und
Einrichtungen, die für den Erhalt des reichen
Erbes dieses "deutschen Stammes" mit seiner
850jährigen Geschichte in Siebenbürgen
erhaltenswert und lebenswichtig sind. Damit
befand sich ihr Stifter und das von ihm
gegründete Werk in der großen Tradition der
Siebenbürger Sachsen, bei denen das gemeinschaftlich
strukturierte, von gegenseitigem
Beistand und unbedingter Solidarität charakterisierte
Gemeinwesen lebensbestimmend
war.
Dieses in der Geschichte der Völker nur selten
anzutreffende Zusammengehörigkeitsgefühl
und das Bewußtsein, daß nur die
Gemeinschaft den Einzelnen trägt und der
Einzelne nur in der Gemeinschaft bestehen
kann, hat wohl den Hermannstädter, der es
schon in seiner Heimat, aber dann besonders
nach seiner Auswanderung 1947 in
Deutschland zu ungewöhnlichem Erfolg
gebracht hat, bewogen, seine Stiftung zu
gründen. Sie stammt aus dem in Jahrhunderten
geprägten Geist der Siebenbürger
Sachsen, die nur durch Zusammenhalt, durch
Opfer für das Ganze, durch Voransetzung der
Gemeinschaft vor den Einzelnen eine
"Universitas Saxonum" geschaffen haben, die
sich in schweren Zeiten und Zeiten der Not
erhalten und durchsetzen konnte, trotz aller
Unbillen und Widerwärtigkeiten immer neuer
Gefahren und Bedrohungen, die auf sie zugekommen
sind.
Eine solche große Not und existentielle Zukunftsbedrohung
War auch die Zeit nach dem "Zusammenbruch"
infolge des Ausgangs des II. Weltkrieges, der auch die Deutschen in Rumänien in ihrem Kern getroffen hatte.
Die darauf folgende immer häufiger werdende Auswanderung vieler Siebenbürger
Sachsen aus Rumänien stellte diese auf eine
harte Probe ihrer altbewährten Überlebensstrategie
und Zukunftshoffnung. Da war die Tätigkeit
der "Habermann-Stiftung" ein unglaublich
wichtiges Hoffnungszeichen für die Siebenbürger
Sachsen hüben und drüben.
Wieviel Hilfen durch diese wohltätige
Einrichtung an Einzelnen geleistet wurde, wie
viele uralte Werte vor Verfall oder Untergang
bewahrt werden konnten, wie sehr das
Selbstbewußtsein der Siebenbürger Sachsen
durch ihre Tätigkeit erneut erstarkt ist, das
werden andere Mitarbeiter dieser Festschrift
ausführlicher darlegen können. Entscheidend
ist, daß die Losung "Lasst und Gutes tun",
und das "allermeist an des Glaubens
Genossen" bei den Siebenbürger Sachsen, wo
Gemeinschaft und Kirche, Bürgergemeinde
und Christengemeinde sozusagen deckungsgleich
waren, sich in wunderschöner Weise
erfüllt hat, im Sinne des alten Spruches: "Wo
die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten".
Doch Gott hilft durch Menschen, denen
er die Bereitschaft und Selbstlosigkeit, aber
auch die Kraft und den Sinn verleiht, das auch
in die Tat umzusetzen und denen er den Segen
zu solchem Tun gibt, durch sichtbare Erfolge
und bleibende Zeugnisse der oft im Verborgenen geschehenden Werke.
Für mich war Ernst Habermann schon als
Kind und später als junger Mann ein Begriff.
Mein Vater und er waren - ich glaube es sagen
zu dürfen - eng befreundet und ihre Ehefrauen
ebenso. Ich habe den Namen zu Hause oft
gehört, ganz bewußt jedoch, als in den schweren
Nachkriegsjahren Lebensmittelpakete ins
Elternhaus kamen, ihm gedankt wurde und
dabei in Gesprächen und Briefen Worte der
Anerkennung und Wertschätzung für den
Wohltäter gefunden wurden.
Sein Sohn Hans-Christian Habermann ist fast
gleich alt mit mir und nur die Tatsache, daß er
schon neunjährig mit der Familie das Land verließ,
war wohl der Grund dafür, dass wir als
Kinder nicht ebenso Freundschaft geschlossen
haben wie das bei den Eltern der Fall war. Doch
wie groß war die Freude, daß der Sohn, mit
dem gleichen Sinn und Gemüt des Vaters ausgestattet,
das Werk nach dessen Tod - zwei
Jahre vor dem meines Vaters - fortführte. Und
so lernte ich ihn (neu) kennen, als inzwischen
Rumänien wieder ein freies Land wurde und er
mit Hingabe und Begeisterung begann - was
vorher so nicht möglich gewesen war - neue
Schwerpunkte in der Arbeit der Stiftung in
Siebenbürgen zu suchen und zu finden. Denn
nun konnte man sich offen und auf institutioneller
Basis größeren Projekten, vor allem im
Blick auf unser reiches Kulturerbe zuwenden,
das ja die Kirche zu verwalten hat und das nach
dem Massenexodus der Siebenbürger Sachsen
zum erstenmal existentiell bedroht ist.
So kam es, dass große und kleine Projekte zur
Erhaltung wichtiger Kirchenburgen in die
Wege geleitet und finanziell abgesichert wurden.
Unvergesslich bleibt mir die Restaurierungsarbeit
an der berühmten Tartlauer
Kirchenburg, mehr noch: die Übernahme einer
Patenschaft 1992, der auch die zukünftige
Erhaltung dieser einmaligen Anlage gilt.
Zusammen mit dem parlamentarischen Staatssekretär
Dr. Horst Waffenschmidt (†), dem damaligen
rumänischen Kulturminister und anderen
Persönlichkeiten, wurde dieses in einem
Festgottesdienst und einer Feier besiegelt.
Später kam die Nachbargemeinde Honigberg
dazu, ebenfalls ein Großprojekt, das ohne den
vollen Einsatz der Stiftung, von Dipl.-Ing.
Hans-Christian Habermann selbst und seinen
Mitarbeitern nie hätte durchgeführt werden
können. In der Zwischenzeit wurden jährlich
ebenso kleinere Projekte in Angriff genommen,
die eine Soforthilfe und Rettungsaktion
angesichts der Bedrohung dieser unserer
Kirchenburgen bedeuteten und darum besonders
gewürdigt werden sollen, weil derartige
Vorhaben allein von der "Habermann-
Stiftung" unterstützt werden. Dem Landeskonsistorium
wurde ermöglicht, solche
Objekte selbst auszusuchen und vorzuschlagen,
die eines schnellen Eingriffes bedürfen,
was wirksame und unbürokratische Hilfe
möglich macht. Nun ist auch die berühmte
Birthälmer Kirchenburg an der Reihe, wobei
hier in Zusammenarbeit mit dem "World
Monuments Fund" lebensrettende und unaufschiebbare
Renovierungsarbeiten unter der
Federführung der Siebenbürgisch-Sächsischen
Stiftung geplant sind.
Aber auch die Unterstützung einzelner
Personen oder Gruppen soll nicht vergessen
werden. Stipendien für junge Siebenbürger
Sachsen, die in Deutschland studieren ebenso
wie Mitarbeiter unserer Kirche und
Gemeinschaft werden mit dem Ziel gefördert,
der Gemeinschaft aber auch der Heimat
Siebenbürgen selbst nicht verloren zu gehen,
nur weil sie den finanziellen Anforderungen
angesichts bekannter Engpässe nicht gewachsen
sind. Bewegend ist, dass in diesem wie in
einer Reihe anderer Programme die verehrte
Witwe des Stifters, die Mutter des heutigen
Vorsitzenden des Vorstandes, Frau Nora
Habermann, aus eigenen Mitteln immer wieder
mithilft und das Werk ihres verewigten
Mannes damit in seinem Sinn und durch sein
Vermächtnis ebenfalls fortsetzt.
Die "Habermann-Stiftung" ist auf diese
Weise in Siebenbürgen und ganz Rumänien
bekannt geworden. Denn sie fördert auch
andere kulturelle Projekte, wie das "Carl
Filtsch-Wettbewerbs-Festival", das in Hermannstadt
regelmäßig abgehalten wird,
wie andere musikalische Tätigkeiten und
Einrichtungen (so den Schülerchor des
Pädagogischen Lyzeums, den
Hermannstädter Bachchor oder die
Würdigung und Bekanntmachung des großen
siebenbürgisch-sächsischen Komponisten
Rudolf Wagner-Régeny ).
Ernst Habermann wäre im August 2003 hundert
Jahre alt geworden, sein Sohn hat im
gleichen Jahr seinen 65. Geburtstag begangen
und die Stiftung feiert heuer 25 Jahre seit
ihrer Gründung. Anlaß genug, der Stiftung
und ihren Mitarbeitern im Namen der evangelischen
Kirche und der deutschen Gemeinschaft
in Rumänien zu danken, ihrem
Vorsitzenden, seiner verehrten Mutter und
seiner verehrten Gattin, und ihnen Gesundheit
wie auch weiterhin Spannkraft für dieses edle
Werk zu wünschen und Gott zu bitten, er
möge ihnen das Ziel ihrer Wirksamkeit,
"Gutes zu tun" lange erhalten.
D.Dr. Christoph Klein
Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in
Rumänien
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