

Für den Erhalt siebenbürgisch-sächsischer Kultur
Die Stiftung
"Mer wellen bleiwen, wat mer sen"
"Wir wollen bleiben, was wir sind" - dieses
Bekenntnis zieht sich wie ein roter Faden von
der Gründung der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung im August 1979 bis heute,
25 Jahre danach, durch alle unsere Aktivitäten,
Projekte und Planungen.
Mit der revolutionären Veränderung im
Dezember 1989 in Rumänien und der nachfolgenden
massenhaften Auswanderung von
Siebenbürger Sachsen nach Deutschland
haben sich zum Teil neue Schwerpunkte für
die Tätigkeit der Stiftung ergeben. Standen
zunächst humanitäre Hilfen im Vordergrund
der Stiftungsarbeit, so ist der individuelle
Transfer von Fördermitteln durch den
Rückgang des Empfängerkreises drastisch
gesunken. Zwar spielt der sozial-karitative
Aspekt weiterhin eine wichtige Rolle, nun
aber vorwiegend im Zusammenhang mit den
Bewohnern von Altenheimen und der Hilfe
für Alleingebliebene.
Durch den Bevölkerungsrückgang unserer
kleinen Volksgruppe in Siebenbürgen stellt
sich das Problem des Kulturgüterschutzes in
einer neuen, ja existentiellen Dimension. Der
Dokumentation und Rettung des nun häufig
aufgelassenen oder von der Verwaisung
bedrohten siebenbürgisch-sächsischen Kulturgutes
in Rumänien musste Priorität eingeräumt
werden. Unschätzbare Werte wären
sonst in Gefahr geraten, unwiederbringlich
verloren zu gehen. Unsere Stiftung ist von
Anfang an konsequent und engagiert den Weg
gegangen, den Schutz von besonderen Zeugnissen
siebenbürgisch-sächsischer Kultur zu
sichern. Im Hinblick auf die gemeinschafts-
und identitätsstiftende Funktion unserer
Kultur war es das Bestreben unserer Stiftungsrepräsentanten,
ab 1990 grenzüberschreitend
tätig zu werden. Die verfügbaren finanziellen
Mittel der Stiftung erlauben es zwar nicht,
jede Kirche und jede Kirchenburg zu sanieren
und zu restaurieren. Wichtig war jedoch,
besonders charakteristische Zeichen unserer
ethnischen Identität und Kulturtradition vor
dem Verfall zu bewahren. Von den etwa 14000
historischen Bauten siebenbürgisch-sächsischer
Provenienz stellen 140 Kirchenburgen
einen in der Welt einmaligen Komplex von
Denkmälern dar.
1972 beschloss die UNESCO, die
Organisation der Vereinten Nationen für
Erziehung, Wissenschaft und Kultur in Paris,
das internationale Übereinkommen zum
Schutz des Kulturerbes der Welt. Wenn man
heute die 730 Kultur- und Naturdenkmäler
umfassende Liste betrachtet, ist es, als ob man
einen Abriss der Geschichte der Menschheit
von ihrem Ursprung bis hin zu den
Meisterwerken der Neuzeit erleben würde.
Die Ruinen des griechischen Olympia,
Venedig und seine Lagune, die ägyptischen
Pyramiden oder das historische Zentrum von
Rom - sie alle tragen einen glorreichen Titel.
Dieser wird von der UNESCO nach strengsten
Kriterien für Kulturgüter von universellem
Wert vergeben und heißt "Weltkulturerbe".
In dieser Liste findet sich auch die mit Mitteln
der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung
restaurierte und von ihr betreute Kirchenburg
in Tartlau sowie jene in Birthälm, wo im Jahr
2003 Renovierungsarbeiten der Stiftung in
Zusammenarbeit mit dem World Monuments
Fund begonnen haben. Diese zählen nach
UNESCO-Urteil zu dem Einzigartigen, was
menschlicher Geist und Kreativität geschaffen
hat und müssen als Weltkulturerbe vor
Krieg und Katastrophen, vor Nachlässigkeit
und Niedergang geschützt werden.
In den letzten Jahren ist nicht nur der Stolz
und die Bereitschaft zur Identifikation mit
diesen repräsentativen Beispielen einer baulichen
Symbiose aus wehrhaftem Trutz und
festem Glauben gewachsen sondern auch das
kulturelle Bewußtsein. Genau genommen
müsste die siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft
als solche geschützt werden - wozu
auch die Bewahrung einer authentischen
Umgebung gehört - einschließlich einer
Gemeinschaft, die mit diesen Burgen lebt,
und sei sie auch noch so klein.
Bereits auf der Zweiten Weltkulturkonferenz
der UNESCO 1982 wurde von den 115
Mitgliedstaaten festgeschrieben, "dass eine
Kulturpolitik erforderlich ist, die die kulturelle
Identität und das kulturelle Erbe eines
jeden Volkes schützt, anregt und bereichert.
Die Vernachlässigung oder Zerstörung der
Kultur irgendeines Volkes bedeutet für die
gesamte Menschheit einen Verlust."
Eingedenk dieser Tatsache und im Bewußtsein
der Verantwortung schloss Rumänien mit der
Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung am 10.
Oktober 1997 ein völkerrechtliches "Protokoll
zur Verbesserung der kulturellen Zusammenarbeit"
ab. Die gedeihliche bilaterale
Kooperation trägt erfreulicherweise Früchte
und führte zu einer persönlichen Anerkennung
des Stiftungsratsvorsitzenden, Dipl.-Ing.
Hans-Christian Habermann, durch Staatspräsident
Ion Iliescu in Form eines hohen
Kulturordens im Januar 2004.
Unser sächsisches Völkchen ist noch kleiner
geworden und noch älter und hat schmächtige
Schultern, auf denen riesige Lasten drücken.
Dennoch, eine Gemeinschaft, als welche wir
uns in bester siebenbürgischer Tradition verstehen,
hängt nicht primär von der Größe, von
der Rechtslage oder von der materiellen
Ausstattung ab, sondern vor allem von dem
Bewußtsein der eigenen historischen und kulturellen
Grundlagen sowie von der Bereitschaft
des Einzelnen, dies in der Gegenwart
zu leben und in die Zukunft zu tradieren.
Aber, wie es schon im Matthäus-Evangelium
heisst: "Die Ernte ist groß, aber wenige sind
der Arbeiter" (9. Kpt., Vers 37).
Sollen die wenigen Siebenbürger Sachsen,
die in der Heimat leben, alleine die ganze Last
des Erbes der Väter tragen, Friedhöfe pflegen,
Kirchen und Burgen instand halten? Diesen
Menschen bei ihren immensen Aufgaben beizustehen,
ihnen zu helfen, bleibt unsere
Pflicht.
Die Erhaltung und Entfaltung unserer ethnischen
Identität in einem zusammenwachsenden
Europa ist mit Mut und Zuversicht möglich.
Auch unsere Volksgruppe bleibt durch
ihre jahrhundertelange Existenz und dank
ihres Beitrags zur Entwicklung der siebenbürgischen
Gesellschaft ein konstitutiver Teil der
Geschichte Rumäniens, so wie die Schwarze
Kirche in Kronstadt, das Brukenthalpalais in
Hermannstadt oder die Kirchenburgen in
Tartlau und Birthälm konstitutive Teile der
Siebenbürgischen Landschaft sind.
Wir, die wir im materiellen Wohlstand leben,
wollen die in Siebenbürgen Lebenden unterstützen.
Zerrissen zwischen Aufgaben und
Anforderungen, sind sie längst nicht mehr
Herr ihrer Zeit. Sie hasten von Aufgabe zu
Aufgabe. Wir müssen ihnen behilflich sein
eine neue Existenz aufzubauen und zusammen
mit ihnen die Mittler- und Brückenfunktion
wahrnehmen, die den Deutschen in
Rumänien seit jeher eigen war.
Mit Antoine de Saint-Exupéry möchte ich
hier sagen: "Die Zukunft sollte man nicht voraussehen
sondern möglich machen." Wir wollen
nicht nur Geschichte machen sondern
auch Zukunft. In diesen Sinne gilt:
Wer Siebenbürgen liebt, der gibt!
Stiftungen wurden in früheren Rechts- und
Werteordnungen bisweilen als "pia causa", als
"Gott wohlgefälliges Werk" bezeichnet und
damit besonders geachtet und geschützt.
Die Siebenbürgisch-Sächsische Stiftung
wurde am 31. August 1979 gegründet und "auf
ewige Dauer" errichtet. Seit nunmehr 25
Jahren ist unsere Stiftung gewissenhafter
Sachwalter siebenbürgischer Interessen. In
bester Tradition haben schon viele Landsleute
mit Spenden, Legaten und ganzen Nachlässen
die Arbeit der Stiftung unterstützt und in manchen
Fällen erst möglich gemacht. Die
Zustifter und Spender können auf gesicherter
gesetzlicher Grundlage darauf vertrauen, dass
sie mit ihrem finanziellen Engagement auf
Dauer einen Beitrag zur Sicherung siebenbürgischer
Tradition und Lebensart und damit
unserer Heimat leisten. Sie können sicher sein,
dass ihre Persönlichkeit in der Stiftung weiterlebt
und ihr Wille weiter in ihrem Sinne wirkt.
Mit ihrer Hilfe können wir unserem Wahlspruch
gerecht werden, und bleiben, was wir
sind, aber nicht unbedingt bleiben, wie wir
sind. Wie Bischof Christoph Klein feststellt:
"Nur durch Wandlung in dem, wie wir sind,
können wir bleiben, was wir sind."
Prof. univ. asoc. Ortwin Schuster
Stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender
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